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Archiv für die Kategorie ‘Südafrika zeichnen

In our culture

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17. Oktober 2006

Jetzt ist es raus: Es wird sich eine neue Partei vom ANC abspalten. Mosiuoa Lekota , ehemaliger Verteidiungsminister, ist vorgetreten und hat angekündigt, dass es eine Zusammenkunft geben wird, um eine neue Partei zu gründen. Das große Ringen hat begonnen: Fast panisch erklingt der Aufruf im ANC nach Disziplinierung von Mitgliedern, die bekanntermaßen als Mbeki-Unterstützer gegolten haben. Es geht das Gerücht um, dass Wirtschaftsbossen, die Mbeki nahe stehen, die politische Unterstützung versagt werden soll, um einer neuen Partei von vorneherein finanziell das Wasser abzugraben. Es werden Drohungen ausgestoßen, politische Tode prognostiziert, sollten bestimmte ANC-Mitglieder beschließen, die Seiten zu wechseln. Stimmen nach einer vorgezogenen Wahl werden laut, um einer neuen Partei gar nicht erst die Chance zu geben, sich zu etablieren. Der ANC hat Angst. Angst um seine Macht.

Die Gegenbewegung nährt sich vor allem aus den Provinzregierungen. Mbhazima Shilowa, besagter gerade zurückgetretener Gauteng-Premier, hat sich öffentlich zu Lekotas Initiative bekannt und seinen Rücktritt aus dem ANC erklärt. Andere Führungspersonen, besonders aus den Provinzen North West, Free State, Limpopo und Eastern Cape, zählen zu Zumas größten Kritikern und werden befürchtet, ebenfalls überzulaufen. In drei Provinzen, so heißt es, scheint der ANC eine Abspaltung und damit eine Auflösung seiner Mehrheiten befürchten zu müssen. Es laufen HIntergrundgespräche, viele Parlaments- und Regierungsmitglieder wägen ab, was für ihre Karriere der bessere Schritt sein könnte. Und der ANC scheint zum ersten Mal seit 1994 seine Macht in Frage gestellt.

Was wollen die Politiker für ihr Land? Demokratie? Freiheit? Gleichheit? Verteilung? Sicherlich. Aber sie scheinen vor allem ihre Macht sichern zu wollen. Und ihren Anteil, ihren materiellen Anteil am Kuchen. Der Anteil, der ihnen auf Grund ihrer revolutionären Biografien zuzustehen scheint, für den sie gekämpft haben. “Fat cats” werden sie in den Headlines der Zeitungen genannt, “and they really are fat cats, have you seen their fat faces?” Maureen, meine ehemalige Gastmutter in Kapstadt., schüttelt etwas angewidert den Kopf.  “Just look at them, at these men in the government, they are just as irresponsibly fooling around as they do with their women and children”, so Georgina, Direktorin des Dance Umbrellas in Johannesburg, des größten Festivals für zeitgenössischen Tanz im subsaharischen Raum. “Zuma makes sense, this man talks sense”, sagt Barrie, Maureens Mann. “He is a dangerous man”, sagen Maureen und Georgina unabhängig voneinander. Georgina ist froh über Lekotas Initiative, den sie noch vor 1994 in Durban bei Veranstaltungen erlebt hatte. “He can really make people move.” Piers, der Direktor des South African History Archives, sagt, dass Lekota eine absolute Null als Verteidigungsminister war. Und korrupt.

Gerade wurde eine Diätenerhöhung von 11 % beschlossen, die der neue Präsident Motlanthe nun noch absegnen muss. Sie betrifft alle staatlichen Politfunktionäre und Richter. Ein MInister in der Regierung verdient damit 1,6 Millionen Rand (ca. 120 000 Euro) im Jahr. Regionale Premiers bekommen 1,5 Million Rand im Jahr, Bürgermeister ca. 850 00 Rand. “Kings” verdienen ca. 790 000 Rand – in der Tat: Die Häuptlinge der einzelnen Stämme werden vom Staat bezahlt. Zum Vergleich: Das Durchschnittsgehalt – das schließt natürlich vor allem den sehr großen, sehr armen Bevölkerungsteil mit ein – in Südafrika beträgt angeblich 18 000 Rand (ca. 1400 Euro) im Jahr. Was nichts über die großen Unterschiede aussagt. Thembi erzählte mir, dass die Kinderfrau ihrer Kollegin zwar Kost und Logis frei bekommt, aber ansonsten von einer Art Taschengeld von 800 Rand (ca. 70 Euro) im Monat lebt. Krankenversicherung ist da natürlich nicht drin, Arztkosten bezahlt gegebenenfalls die Kollegin dann noch mit, denn sie hat ja ein Interesse daran, dass die Kinderfrau gesund bleibt. Ein Ingenieur verdient ca. 150 000 Rand im Jahr. Ein Computerspezialist ca. 360 000 Rand.

Die Lebenshaltungskosten – besonders Essen -  mögen ein wenig billiger sein in Europa. Ein Euro entsprechen momentan ca. 13,50 Rand. (Vor drei Wochen waren es noch 11 Rand.) Benzin liegt soweit mit ca. 10 Rand pro Liter noch unter europäischen Verhältnissen, wobei auch hier der Preist rapide in die Höhe geht. Mieten für vergleichbare Wohnungen sind ähnlich hoch wie in Berlin. Aber was gehört hier zur Lebenshaltung? Ein europäischer Lebensstandard hat auch einen europäischen Preis. Aber natürlich lebt ein Großteil nicht auf diesem Niveau. Eine Kinderfrau kann sich weder ein Auto, noch die Ausbildung für Ihre Kinder, gute Kleidung oder ein Haus leisten. Sie wohnt in einem Shack – vielleicht sogar als “backyard dweller” mit Strom und Wasser vom Haupthaus – oder bei “besser situierten” Verwandten, die – wenn sie noch mehr Glück hat – auch ihre Kinder versorgen und zur Schule schicken.  Die Arbeitslosigkeit ist in den letzten Jahren zurückgegangen, aber es sind immer noch über 20 %.

Montag war wieder Müllabfuhr. Ich habe die Mülltonne vor das große eiserne Tor gerollt, welches nur mit einem Sicherheitscode zu öffnen ist. “How are you, M’am?” wurde ich von den beiden jungen Frauen gegrüßt, die in den bereits aufgestellten Mülltonnen nach Verwertbarem gruben. Es ist die üblich höfliche Begrüßung in Südafrika, die man gemeinhin mit einem “Fine. How are you?”‘ erwidert. Ich stellte stumm, widerwillig, beschämt meine Mülltonne neben die eine junge Frau und versuchte ein Lächeln. Aber selbst das erschien mir zynisch.

“In our culture” ist der geflügelte Ausdruck, der den meisten Positionen, politischen und gesellschaftlichen Standpunkten und Selbstbeschreibungen hinzugefügt wird, wenn ich mich mit Thembi und ihren Freunden unterhalte. Irgendwann frage ich Thembi, was eigentlich ihre Kultur sei: Ihr Vater war ursprünglich Xhosa, ihre Mutter Zulu, ihr Stiefvater ist Tswana. Ihre Cousins bezeichnen sich als Zulus. Sie selbst spricht besser Sesotho als Zulu, weil sie in einer Umgebung mit mehr sesothosprachigen Leuten aufgewachsen ist. In der Schule hat sie zudem immer nur Englisch gesprochen. Und überhaupt: Soweto ist ein Melting Pot. Hier ist kein Stamm, keine Sprache eindeutig. “Zulu, of course”, sagt sie und schaut etwas überrascht. Of course. Als wir gemeinsam Marieta und Freek, Freunde von mir, besuchen, geraten Freek und Thembi in eine Diskussion über die verschiedenen Kulturen. Und sind sich völlig einig: “Xhosa people, you know, people like Mbeki, they will tell you one thing, you will turn around and they’ll stab you in the back. A Zulu will face you when he stabs you.” Aber die intelligentesten, das seien doch die Tswanas, die seien ruhig, bedacht, friedvoll. Thembi nickt.

“Takalani Sesame” heißt die südafrikanische Version der Sesamstraße und sie wird in neun der elf Amtssprachen produziert. In den ersten Staffeln sprach Bert angeblich Englisch mit afrikanischem Akzent, während Ernie unverkennbar einen englisch-weißen Akzent hatte. Rainbow Sesame Nation. Inzwischen gibt es dort ein kleines orangefarbenes Monster, Kami. Kami kommt von Kamogelo, was auf Zulu, Sesotho und Setswana so viel wie Akzeptanz heißt. Kami ist HIV-positiv. Ein HIV-positives freundliches Monster, welches gekuschelt und gestreichelt wird, unter anderem von Ma Dimpho, welche eine Art Mutterfigur für Kinder auf der Straße darstellt. Die Werbepausen im Fernsehen sind voll von Spots von Lebens- und Krankenversicherungen, die damit werben, dass sie auch im Falle einer Aidserkrankung einspringen werden. Man fragt sich natürlich wie hoch wohl die Beitragszahlungen sind, die jemand, der in der Eingangsuntersuchung als HIV-positiv diagnostiziert wird, leisten muss. Aber besonders präsent sind vor allem Werbespots für Bestattungsversicherungen. Denn Beerdigungen sind gemeinhin große Veranstaltungen, zu denen Essen für alle Nachbarn im Viertel zubereitet werden muss. Die Neulancierung der Aids-Politik, wie sie von der gerade ernannten Gesundheitsministerin Barbara Hogan angekündigt wird, lässt hoffen. Eine der ersten Statements war, dass die Ursache von Aids unstrittig HIV ist. Was Mbeki jahrelang bestritten hat. Und dass – endlich – intensiv in die Verbreitung und Verteilung von antiviralen Medikamenten investiert würde. Und nicht in eine Kampagne “Esst mehr rote Beete und Zitronen, denn das stärkt Euch gegen Aids”, wie sie von der vorangegangenen Gesundheitsministerin proklamiert wurde. In der Uni sehe ich einen “Condotainer” in der Toilette, aus dem man sich umsonst bedienen kann. Er ist fast immer leer. Aber er ist auch der einzige seiner Art, den ich bisher gesehen habe.

Geschrieben von aflecks

Oktober 18, 2008 um 3:47 nachmittags

Zuma and Justice

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Geschrieben von aflecks

September 18, 2008 um 6:24 nachmittags

Veröffentlicht in Südafrika zeichnen

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